Chronik

Geschichte des Theatervereins Volksbühne Grürmannsheide

1919 bis ins neue Jahrtausend

Eine Rückschau auf die Gründung des Grürmannsheider Theatervereins „Volksbühne“ im Jahre 1919

Die schwierigen Verkehrsverhältnisse in der hochgelegenen Ortschaft Grürmannsheide mögen wesentlich zur Gründung beigetragen haben. Wer hatte im Jahr 1919 schon ein Auto? Es gab noch keine Autobusverbindung nach Oestrich oder Letmathe. Die meisten Bewohner hatten nicht einmal ein Fahrrad.

Am 03.Juli 1919 gründeten einige dieser Bewohner einen Verein und man gab sich den Namen Theater-und Unterhaltungsclub „Fidelio“. Der Wahlspruch lautete:

„Ernst ist das Leben, heiter die Kunst!“

Erster Spielleiter wurde der Vereinswirt der „Jägerruh“ Fritz Bürger (der Gasthof besteht heute nicht mehr). Im Volksmund wurde der Wirt: „Jähgerruh´s Witte“ genannt. Zwei weitere Gründungsmitglieder waren Gustav Rüsch und Heinrich Rinke.

Bei der Gründung wurde zum Ausdruck gebracht, das man mit den Aufführungen der Volksstücke, Schwänke, Lustspielen usw. sich selbst und den Mitmenschen Freude bereiten wolle. „Man kriecht mal in eine andere Haut“ so eine Aussage aus dieser Zeit. Bei einem Gang durch die wechselvolle Geschichte des Vereins, vom Theater- und Unterhaltungsclub „Fidelio“ bis zu einer der wenigen noch bestehenden Volksbühnen darf den Laienspielern bestätigt werden, das sie mit besten Erfolg das Bestreben erfüllt haben, die Menschen unserer Tage – die mehr denn je oft mit schwerwiegenden Lebensfragen fertig werden müssen – zu unterhalten und zu belehren, ihnen heiteren Sinn und herzerfrischendes Lachen zu schenken und ihre Freizeit sinnvoll auszunutzen. Es gab Veranstaltungen, wo die Grürmannsheider oder Oestricher Säle nicht ausreichten, um alle Besucher zu fassen. Zur Erinnerung seien einige Aufführungen genannt: „Der Bauer vom Wolfshof“; „Bettelheiny“; „Ums eigene Blut“. Mal sorgte die Liebe für allerlei „Wirrwarr“, mal hieß es: „Vorhang auf für den blauen Dunst!“; mal musste „Tusnelda zum Standesamt“. Bei den Verwandlungsspiele: „Meine Frau bin ich“ oder beim „Meisterlügner“ gab es auf der Bühne ein wohlgeordnetes Durcheinander.

Nach zweijährigem Bestehen nahm der junge Verein bereits, im Jahr 1921, an einem Wettstreit beim Theaterverein „Frohsinn“ in Hohenlimburg-Elsy teil. Die Freude im Letmather Raum über da Laienspiel war so groß, das im selben Jahr noch der Lennetaler Theaterverband gegründet wurde. Bei dem großen Theaterwettstreit am 6. Und 7. Mai 1922 errang der Verein mit der Aufführung „Ums eigene Blut“ in der Damenklasse den 1.Preis. Zu dieser Zeit war Gustav Rüsch Vorsitzender.  Zu seinen Ehren wurde am 22. September 1964, also nach 42 Jahren das gleiche Stück noch einmal aufgeführt. Hier sah man den inzwischen ergrauten Ehrenvorsitzenden und Ehrenspielleiter wieder in seiner Glanzrolle als Wilderer. Im Jahre 1933 wurde der Theaterverein „gleichgeschaltet“ und nach Prüfungsspielen Mitglied im Reichsbund „Volkstum und Heimat“. Die Vereinstätigkeiten wurden unter erschwerten Bedingungen der Kriegsjahre bis 1939 mehr oder weniger Aufrecht erhalten.

Von da an ruhten die Vereinstätigkeiten.

Am 24.09.1950 fanden sich 13 Mitglieder im alten Vereinslokal Jägerruh zusammen und man beschloss einen Neuanfang zu wagen. Die Spielleitung übernahm Oihme Rüsch und das 1.Fest fand 2.Weihnachtstag 1950 wieder statt. „Der Besuch war infolge der großen  Kälte und Glätte zwar ein mäßiger, doch verbleibt ein kleiner Überschuss“ schrieb Vater.

Von da an ging es steil bergauf. Neue Spieler und Mitglieder traten dem Verein bei. Von voll besetztem Saal bei Theaterfesten, von überfülltem Saal und reichlich Beifall berichtet das Protokollbuch. Mann bezahlte damals 080 Mak Eintritt und 50 Pfennig für den Ball, bei dem eine Kapelle spielte. Die Feste unseres Vereins waren der Renner der 50er Jahre auf der Heide. Zu Fuß kam man dahin, von Oestrich, Letmathe, Hohenlimburg und Iserlohn. Manches Pärchen hat sich da kennengelernt und ist sich schon auf dem Heimweg etwas näher gekommen. Regen Anteil nahm man an den Festen der Dorfvereinen,  an Privatfeiern und an Festen der anderen Theatervereine, die damals noch aktiv waren. Für Mitglieder wurden Theaterbesuche, Familienabende, Wanderungen und Busfahrten veranstaltet.

Mit großem Stolz feierte man am 4.Juli 1959 bei voll besetzten Haus, das 40jährige Bestehen. Richard Heetmann, Bürgermeister Haarmann und der Theaterverein Letmathe waren Ehrengäste. Dieser Tag kann in allen Teile, auch finanziell, als ein großer Erfolg für unseren Verein verbucht werden, schrieb der Chronist.

Anfang der 60er machte sich das Fernsehen schon deutlich bemerkbar, wir hatten jedoch noch immer guten Zuspruch bei unseren Aufführungen. Aber die Sorge um den Fortbestand des Vereins, steht schon zwischen den Zeilen der Berichte. Die liebe alte Garde vom Vorstand bereitet sich innerlich mit aller Kraft auf das 50jährige Bestehen vor.

In der Versammlung vom 22.02.1964 sagte Oihme Gustav Rüsch, zur Überraschung aller, dass es doch nun an der Zeit wäre, dass ein jüngerer sein Amt als Spielleiter übernimmt. Man sah sich betroffen an, „Gustav, es dat di Ernst?“ „Jau“ „Hmm“ und Pause. In Anerkennung  seiner Verdienste, wurde er zum Ehrenspielleiter ernannt. Zur Erinnerung: Ehrenvorsitzender ist er schon seit 1933. Einen neuen Spielleiter zu wählen, verschiebt man auf die nächste Versammlung, so überrascht war man.

Im Jahr 1968 schrieb „Vater“ das es nicht viel zu berichten gibt und bezeichnet es als ein Ruhejahr, weil das am 4.Mai geplante Fest wegen widriger Umstände nicht zustande kam. Man hoffte damals, dass mit dem Wechsel des Vereinswirtes die bestehenden Schwierigkeiten endgültig beseitigt werden.

1969 wurde das 1968 geplante Fest am 18.01. vor voll besetzten Saal durchgeführt.

…Fortsetzung folgt…